Blank und weiß. Unpersönlich sogar, könnte man sagen. Der Tisch, an dem Alex nun saß,
war nicht, was er sich unter „studieren an der Uni“ vorgestellt hatte. Aber gut, das eigentliche
Studium hatte ja auch noch nicht begonnen. Gerade saß er in dem Proseminar, eine
Einführung und Vorbereitung auf das, was folgen würde. Das, was der Dozent sagte, war
zwar nicht besonders spannend, aber Alex hätte es bestimmt geschafft, sich darauf zu
konzentrieren, hätte er nicht die ganze Zeit immer wieder nach links blicken müssen. Vor
allem, wenn nicht immer, dann wenn er nach links blickte, ein breites Lächeln zurück blicken
würde. Gut nein, natürlich blickte nicht das Lächeln, sondern der, dem es gehörte. Ein junger
Mann, vielleicht ein paar Jahre älter als Alex.
>> Tobi <<
Alex fuhr zusammen und blickte wieder nach links. Der junge Mann neben ihm
streckte die Hand aus.
>> Ich bin Tobi, also eigentlich Tobias, aber nenn mich gerne Tobi. <<
Alex ergriff zögernd die Hand und schüttelte sie dann jedoch kräftig.
>> Freut mich, ich bin Alexander. <<
Tobi lächelte wieder sein breites Lächeln und plötzlich merkte Alex, dass ihn dieses
Lächeln zwar irgendwie beunruhigte, aber er es gleichzeitig auch angenehm fand. Es
war ein offenes Lächeln, die Art von Lächeln, die einem das Gefühl gab, willkommen
zu sein.
In diesem Moment spürte Alex, dass er sich wohl sehr gut mit Tobi verstehen würde
und musste automatisch zurück lächeln.
>> Warum eigentlich Geschichte? <<
Alex überlegte kurz. Ja, warum eigentlich? Er hatte sich diese Frage noch nie
gestellt, es war irgendwie immer klar gewesen, dass er hier einmal landen würde.
>> Mein Großvater war bei der SS und meine Großmutter in der KPD. <<
Tobi blieb das Lachen im Halse stecken und er wurde plötzlich ernster. Doch noch
bevor er Nachfragen stellen konnte, lachte Alex und wunk ab.
>> Nein, war ein Witz. Ist doch klar, warum irgendjemand Geschichte studiert; um
Frauen aufzureißen. <<
Teil 4 – Das Proseminar
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