Online-Ausgabe der Schwäbischen Zeitung vom 07. Februar 2022

Zielstrebig schreitet Eric Jacob durch die Flure des Karl-Maybach-Gymnasiums (KMG) in Friedrichshafen. Hier kennt er sich aus – und würde man nur seinen Schlüsselbund sehen, könnte man ihn fast mit einem Lehrer verwechseln.

Denn der 18-Jährige hat Zutritt zu vielen Räumen. Den braucht er auch, verbringt er doch die meisten Nachmittage und teils auch Wochenenden dort. Freiwillig und aus eigenem Antrieb heraus. Eric Jacob engagiert sich in Arbeitsgruppen, werkelt an Projekten, bringt anderen etwas bei. Für das KMG sind Schüler wie er ein Glücksfall.

Fünf AGs gleichzeitig

Schon in der Grundschule interessiert sich Eric Jacob für Roboter, lernt bereits mit ersten Technik-Sets. Ein Interesse, das auch seine Wahl der weiterführenden Schule prägt: Der Junge aus Tettnang sucht sich das KMG in Friedrichshafen aus. Ausschlaggebend dafür sei gewesen, dass es dort die Robotics-AG gegeben habe, sagt Eric Jacob. In dieser Arbeitsgruppe bauen und programmieren Schüler kleine Roboter.

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Eric Jacob leitet gemeinsam mit Schulkameraden die Robotics-AG, in der Schüler programmieren lernen. (Foto: Florian Peking)

Mir gefällt, dass man hier relativ viel machen kann.

Schüler Eric Jacob

Später kommen für Eric Jacob weitere AGs hinzu. Seit der 9. Klasse ist er auch an den meisten, eigentlich freien Nachmittagen in der Schule. „Mir gefällt, dass man hier relativ viel machen kann“, sagt er. „Relativ viel“: Das bedeutet für Eric Jacob fünf bis sechs AGs oder Projekte im selben Zeitraum zu den unterschiedlichsten Themen, in die er seine Freizeit investiert.

Neben seiner Leidenschaft für Informatik und Roboter ist da etwa die Formel-1-Meisterschaft, ein jährlich ausgetragener Wettbewerb, bei dem Schüler aus verschiedenen Städten gegeneinander antreten. Die Teams planen, konstruieren und fertigen ein kleines Formel-1-Auto und am Ende treten die Fahrzeuge gegeneinander an.

Auch am Wochenende in der Schule

Doch für den Sieg braucht es nicht nur ein schnelles Gefährt, auch das „Drumherum“ muss stimmen. Eric Jacob etwa zeichnet verantwortlich für das Portfolio seines Teams, eine dicke Hochglanz-Broschüre, in der Hintergründe zum Fahrzeug – von verschiedenen Prototypen bis hin zur Sponsorensuche – umfassend erläutert werden. Beim Gestalten des Prospekts lebt der Schüler eine weitere seiner Leidenschaften aus, das Grafik-Design.

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Für die Formel-1-Meisterschaften in den Schulen gestalteten Eric Jacob und sein Team ein eigenes Fahrzeug. (Foto: Florian Peking)

„Das ist ein sehr fordernder Wettbewerb. Da braucht es viel Interesse und Selbstarbeit“, sagt Eric Jacob über die Formel-1-Meisterschaft. Sein Team treffe sich deshalb oft auch am Wochenende in der Schule.

Und für andere Projekte verabredet sich Eric Jacob ebenfalls mit seinen Mitschülern außerhalb der Unterrichtszeiten im KMG. So veranstaltete er zum Beispiel einmal ein sogenanntes Bootcamp, um im Informatik-Unterricht Gelerntes gemeinsam mit anderen zu wiederholen und zu vertiefen.

Schule soll Lebensraum sein

„Meine Freunde und ich haben viele Interessen und es ist nicht selbstverständlich, dass wir die hier so ausleben können“, sagt Eric Jacob. Das KMG biete ihm Freiheit und ermögliche vieles „auf Vertrauensbasis“, wie er sagt. „Wir können mit unseren Ideen immer zu Herr Felder ins Büro kommen“, so der 18-Jährige.

Für Christoph Felder, Schulleiter des Karl-Maybach-Gymnasiums, beweisen Schüler wie Eric Jacob, dass das Konzept seiner Schule aufgeht. Denn das KMG habe den Anspruch, dass Schüler nicht nur „beschult“ werden – also passiv den Unterricht über sich ergehen lassen – sondern eigenständig Initiative ergreifen. „Heruntergebrochen heißt das: Für die Schüler soll die Schule ein Lebensraum sein, wie zuhause auch, in dem sie selbst aktiv werden können“, erklärt Christoph Felder.

Auch schon Uni besucht

Die Idee dahinter: Wem viel Verantwortung zugetraut wird, handelt auch verantwortungsvoll. „Aber man muss natürlich auch loslassen können und Freiheiten geben“, sagt Felder. Zu diesen Freiheiten gehöre auch, Räume und Zeiten zu schaffen, in denen die Schüler zur Ruhe kommen können. „Und wenn sie zur Ruhe gekommen sind, dann wünsche ich mir, dass sie vor Ideen nur so sprudeln“, sagt der Schulleiter.

Eric Jacobs Kopf jedenfalls ist voller Ideen – auch schon für die Zeit nach der Schule. In diesem Jahr macht er sein Abitur. Und danach? Vorstellbar sei für ihn vieles. Auch Uni-Luft hat er bereits geschnuppert: Im Rahmen eines Schülerstudiums nahm er schon an Informatik-Vorlesungen an der Uni Konstanz teil. „Aber die Entscheidung, was genau ich machen will, ist noch nicht gefallen“, sagt er.

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Für die Formel-1-Meisterschaften in den Schulen gestalteten Eric Jacob und sein Team auch ein aufwändiges Portfolio. (Foto: Florian Peking)

Artikel: Florian Peking | Schwäbische Zeitung

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