Online-Ausgabe der Schwäbischen Zeitung vom 10. Februar 2022

Der Häfler „Kokon“ auf dem Karl-Maybach-Platz ist abgebaut worden. Das Schulprojekt des Karl-Maybach-Gymnasiums (KMG) begann vor zwei Jahren und sollte ursprünglich nur ein Jahr stehenbleiben. Schulsozialarbeiter Marco Eckle hat damals mit Schülern der achten Klasse das Projekt umgesetzt. Die Idee dahinter war, Schüler eines Gymnasiums auch handwerkliche Tätigkeiten nahe zu bringen. In Kooperation mit der Stadt und der Handwerkskammer Ulm entstand gegenüber des KMG ein knapp 4,60 Meter hohes Kunstobjekt. Auf dem gegossenen Betonfundament war ein stabiles Metallgestänge befestigt, das wiederum von einem Metallgerüst oval umfasst wurde. In der äußeren Form wurden schrittweise Weidenruten eingeflochten.

Der Häfler „Kokon“, wie er genannt wurde, war Teil des Berufsorientierungsprogramms des KMG. Unter dem Projektnamen „KOOBO“ (Kooperative Berufsorientierung) durchliefen über 20 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen acht und neun ab September 2017 einen intensiven Orientierungsprozess rund um die Themen Handwerk, Gestaltung und Teamarbeit. Der „Kokon“ zählte zu den größeren und aufwendigeren Projekten innerhalb der Berufsorientierung und wurde mit Hilfe von Spenden finanziert. Jetzt musste das Objekt abgebaut werden.

„Die Realisierung war mit hohen Sicherheitsauflagen verbunden und konnte als Gestaltungsobjekt mit Sondergenehmigung für ein Jahr umgesetzt werden“, erläutert Marco Eckle. Die Stadt habe aber noch ein weiteres Jahr genehmigen können, sodass der Kokon erst jetzt entfernt werden musste. Eckle lobte die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadt Friedrichshafen. „Von Anfang an hat die Stadt mit uns kooperiert“, sagt er rückblickend. Es sei ein tolles Objekt, auf das die Schüler zurecht stolz gewesen seien. „Es sich an dem Kokon auch nie „abgearbeitet“ worden“, sagt der Schulsozialarbeiter und meint damit, dass es keinerlei Vandalismusschäden in den zwei Jahren gegeben habe. Die Weidenruten lagern jetzt im Schulgarten und sollen zu einem Zaun verarbeitet werden. Die Schüler der Schulgarten AG übernehmen das Zerkleinern des Metallgitters.

Eine Arbeit, die ihnen „Spaß macht“, sagen die elfjährigen Sechstklässler Jakob, Jan, Niklas. Kalle und Maja. Allerdings finden sie es auch traurig, dass es überhaupt abgebaut werde, oder, um es mit den Worten von Niklas zu sagen: „Ich finde das eher blöd, dass es das nicht mehr gibt. Hier ist der Karl-Maybach-Platz und das haben Schüler vom Karl-Maybach-Gymnasium gemacht – das passt doch super.“

Zurück bleibt vorerst das Fundament. „Wir haben die Auflage, alles zurückzubauen. Das machen wir auch, aber dieser Platz eignet sich auch gut für weitere Installationen, deshalb haben wir jetzt die Anfrage gestellt, ob das Fundament bestehen bleiben könnte“, erklärt Eckle. Dabei werde aber nicht nur an Projekte für das KMG gedacht, sondern sei auch für andere Schulen, Institutionen oder Künstler oder Künstlerinnen eine Möglichkeit ihre Werke zu zeigen oder Projekte umzusetzen und im öffentlichen Raum zu präsentieren.

Ginge es nach den Schülern der Schulgarten AG, sollte das KMG wieder aktiv werden. „Wenn das Fundament jetzt weg wäre, ist das doch blöd. Das hat ja schließlich Geld gekostet und wenn man jetzt die Berechtigung bekommt und ein tolle Idee hat, dann kann man das doch nutzen“, erklärt Kalle. Eine spontane Idee haben die Schüler schon: Das sei ein toller Platz für einen „Grow-Room“, finden die Elfjährigen. Mithilfe von Paletten könnte man einen Raum bauen, der mit Kräutern oder ähnlichem bepflanzt werde und „im Innern schafft man eine gemütliche Ecke zum Sitzen“, sagt Maja. Auf jeden Fall, hätten sie alle Lust an dieser Stelle mal wieder „was zu machen“.

Artikel und Fotos: Lydia Schäfer | Schwäbische Zeitung

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Die Sechstklässler der Schulgarten-AG des KMG bauen das Objekt zurück (Foto: Lydia Schäfer).
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Der Häfler Kokon wurde zunächst von den Weiden befreit (Foto: Lydia Schäfer).

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