DDR-Zeitzeuge am KMG

Wie geht man damit um, wenn man als junger Mensch gezwungen ist, seine demokratische Heimat hinter sich zu lassen, um plötzlich in einer Diktatur Fuß fassen zu müssen? Diese Frage stand im Zentrum des Vortrags von Thomas Raufeisen, der am 5. April als Zeitzeuge ins Cinema des Karl-Maybach-Gymnasiums eingeladen worden war, um vor Schülerinnen und Schülern der Kursstufe von seinen Erfahrungen zu berichten.

„Thomas Raufeisen wurde 1962 in Hannover geboren und lebte dort bis zu seinem 17. Lebensjahr. Sein Vater – Armin Raufeisen – war Mitarbeiter des Industrieunternehmens Preussag und spionierte dort als inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Als ein Oberleutnant des MfS – Werner Stiller – im Januar 1979 in die Bundesrepublik Deutschland überlief und Teile des Spionagenetzes der DDR enttarnte, drohte auch ihm die Verhaftung. Das MfS beorderte deshalb seinen Agenten kurzfristig in die DDR. Erst dort erfuhren die beiden Söhne Thomas und Michael vom Doppelleben ihres Vaters.“ (Quelle: www.stiftung-hsh.de)

Im Rahmen des fesselnden Vortrags von Herrn Raufeisen, der vereinzelt mit der Lektüre aus seinem Buch untermalt wurde, gab es für die Schüler*innen der K2 sowie des Leistungskurses der K1 immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu den einzelnen Etappen aus der Biographie des Zeitzeugen zu stellen – ein Angebot, das äußerst rege genutzt wurde. Nicht zuletzt die vielen interessierten Nachfragen führten dazu, dass die Erfahrungen aus der Zeit unmittelbar nach der Flucht in die DDR sowie der Schul- und Ausbildungsjahre im Fokus des Vortrags standen. Die letzten drei Jahre in der DDR, die Raufeisen aufgrund eines missglückten Fluchtversuchs in die BRD in verschiedenen Haftanstalten verbringen musste, sowie die Rückkehr in die BRD 1984 konnten dann nur noch gestreift werden.

Das Buch, in dem Thomas Raufeisen seine Erfahrungen schriftlich festgehalten hat, trägt den Titel „Ich wurde in die DDR entführt. Von meinem Vater. Er war Spion.“ und ist 2017 bei Herder Spektrum erschienen.

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